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Copilot ist nicht die einzige Antwort

von Lubomira Schmid · 6. September 2026 · 5 Min Lesezeit
Wenn ein Unternehmen ohnehin auf Microsoft 365 läuft, ist Copilot der naheliegende Reflex: ein Häkchen mehr in der Lizenz, KI direkt in Word, Excel und Outlook. Das ist total nachvollziehbar. Aber „der Standard" ist nicht automatisch „das Beste für Ihren Betrieb" - und genau das lohnt sich, einmal zu prüfen, bevor man pro Mitarbeiter eine Lizenz bucht.
Was Copilot wirklich gut kann
Ich will fair bleiben, bevor wir vergleichen: Copilot hat echte Stärken.
Es lebt nativ im Dokument. Kein Wechsel in den Browser, kein Hin- und Herkopieren - der Entwurf entsteht direkt in Outlook, die Zusammenfassung direkt im langen Mail-Verlauf. Und beim Datenschutz ist Microsoft solide aufgestellt: Im Rahmen der „Enterprise Data Protection" werden Ihre Eingaben nicht zum Training der Modelle verwendet und bleiben im Microsoft-365-Rahmen, mit Ihren Berechtigungen und Aufbewahrungsregeln. Wenn Ihr Bedarf genau das ist - KI-Hilfe direkt in den Office-Dokumenten -, ist Copilot eine legitime Wahl.
Soweit alles bestens. Jetzt die Punkte, die im Reflex untergehen.
Die Modelle wählt Microsoft - nicht Sie
Lange lief Copilot ausschliesslich auf OpenAI-Modellen. Inzwischen hat Microsoft nachgelegt: Seit 2026 stecken auch Anthropic-Modelle (Claude) in Copilot, in einzelnen Office-Apps sogar als Standard. Damit bestätigt Microsoft selbst, was sich in der Praxis längst zeigt: Ein Modell allein ist nicht für jede Aufgabe das beste.
Nur: Die Auswahl bleibt Microsofts Auswahl. Sie bekommen die Anbieter, die Microsoft einkauft - und nur diese. Kein Gemini fürs Auslesen eines Belegstapels, kein europäisches oder lokales Modell, wenn Sie eines wollen. Mistral gibt es seit Mai 2026 zwar in Copilot Studio - aber nur für Firmen, die dort eigene Agenten bauen, nicht für Anwender in Word, Excel oder im Chat.
Dass Copilot automatisch entscheidet, welches Modell antwortet, ist dabei nicht der Kritikpunkt - automatische Wahl ist bequem, und niemand will vor jeder Frage einen Modellvergleich anstellen.
Entscheidend sind aber zwei Fragen: Wie gross ist der Pool, aus dem gewählt wird? Und können Sie übersteuern, wenn Sie für eine Aufgabe gezielt ein bestimmtes Modell wollen? In Copilot ist der Pool auf Microsofts Einkauf beschränkt. Übersteuern geht nur innerhalb dieses Pools, und nicht überall gleich: Im Chat und in Researcher gibt es ein Modell-Menü mit dem, was Microsoft und Ihr Admin freigeben; in den Office-Apps ist es je nach App mal eine Modellwahl, mal nur ein Antwort-Modus wie „Auto" oder „Think Deeper". Und was morgen im Menü steht, entscheidet Microsoft.
Für Schweizer und EU-Firmen kommt ein Haken dazu, der im Kleingedruckten steht: Die Anthropic-Modelle in Copilot sind von Microsofts EU Data Boundary ausgenommen - die Verarbeitung dieser Anfragen läuft ausserhalb. Im Copilot-Chat, in Researcher und in Copilot Studio sind sie für Firmen in der EU, der EFTA (inklusive Schweiz) und Grossbritannien deshalb standardmässig deaktiviert; wer sie will, muss sie im Admin-Center bewusst freischalten. In Word, Excel und PowerPoint ist es seit Mai 2026 umgekehrt: Dort hat Microsoft die Anthropic-Modelle über einen separaten Schalter standardmässig eingeschaltet - wer das nicht will, muss ihn aktiv abschalten. Ein Blick ins Admin-Center lohnt sich. Die Modellvielfalt gibt es bei Microsoft also inzwischen - aber für EU- und Schweizer Firmen zum Preis des Verarbeitungsorts, und in den Office-Apps ohne aktives Opt-in. Die vertraglichen Zusagen bleiben; die Zusage, dass alles innerhalb der EU-Grenze verarbeitet wird, nicht.
Das ist Vendor Lock-in mit freundlichem Gesicht: Sie sind an die Anbieter-Auswahl und die Roadmap eines Konzerns gebunden. Wenn nächsten Monat ein anderes Modell das bessere ist, warten Sie, bis Microsoft es einbaut - und prüfen dann im Kleingedruckten, zu welchen Bedingungen.
Bezahlt wird pro Kopf, zu Microsofts Bedingungen
Copilot wird pro Mitarbeiter lizenziert, zusätzlich zur Microsoft-365-Grundlizenz. Die Preise setzt Microsoft - inklusive befristeter Einstiegsaktionen, nach deren Ablauf wieder der Listenpreis gilt. Sie zahlen also eine Pauschale pro Kopf, die ein anderer Anbieter festlegt und anpasst - unabhängig davon, wie intensiv der einzelne Mitarbeiter die KI nutzt.
Datenschutz im Rahmen - aber ohne Anonymisierung
Hier ist die Nuance, die zählt: Copilot hält Ihre Daten im Microsoft-Rahmen, das ist gut. Aber das Modell sieht Ihre Inhalte im Klartext - Namen, Adressen, Zahlen. Es gibt keine Schicht, die personenbezogene Daten entfernt, bevor sie das Modell erreichen. Der Schutz ist vertraglich-organisatorisch, nicht technisch vorgelagert.
Die Alternative: Modellfreiheit statt Microsoft-Standard
Genau hier setzt visibus Chat an - nicht als „besseres Copilot", sondern als anderer Ansatz:
- Alle führenden Modelle in einer Oberfläche - Claude, GPT, Gemini, Mistral. Automatisch gewählt, wenn Sie mögen - und jederzeit pro Aufgabe selbst übersteuerbar. Kommt ein besseres Modell, ist es da. Kein Lock-in.
- Anonymisierung vor dem Modell. Personenbezogene Daten werden erkannt und ersetzt, bevor die Anfrage das Modell erreicht - eine technische Schicht, nicht nur eine Zusage.
- Instanz in der EU oder der Schweiz, Verlauf und Dokumente bleiben bei Ihnen.
- Nutzungsbasiert statt Pro-Kopf-Pauschale.
Und auch hier fair: Copilot lebt im Dokument, visibus Chat ist eine eigene Oberfläche. Wenn Ihr einziger Bedarf ist, in Word und Outlook Entwürfe schreiben zu lassen, bleiben Sie bei Copilot. Für alle, die Modellfreiheit, eine aktive Datenschutz-Schicht und Anbieter-Unabhängigkeit wollen, gibt es eine Alternative.
Der Punkt
Copilot ist keine schlechte Wahl. Aber „wir haben ja Microsoft" ist eine Entscheidung für einen Anbieter, eine Modell-Familie und eine Pauschale pro Kopf - getroffen, ohne dass man sie als Entscheidung wahrnimmt. Es lohnt sich, sie bewusst zu treffen.
Wenn Sie wissen wollen, wie die Alternative für Ihr Unternehmen aussieht - schreiben Sie uns. Wir schauen es gemeinsam an.
Aktualisiert am 16. September 2026: Abschnitt „Die Modelle wählt Microsoft" präzisiert. In Word, Excel und PowerPoint sind die Anthropic-Modelle für EU/EFTA-Firmen seit Mai 2026 standardmässig eingeschaltet, nicht deaktiviert; Modell-Menü und Mistral in Copilot Studio ergänzt.